Zu Wasser, zu Lande und in der Luft
Ein Rückbau an einem steilen und strassenlosen Uferabschnitt des Walensees erforderte im Frühjahr 2026 eine perfekte Planung und das reibungslose Zusammenspiel von Schiff, Schreitbagger und Helikopter mit dem Bautrupp vor Ort. Ein Auftrag wie geschaffen für Werner Marty sen., der solche Herausforderungen liebt und die nötige Erfahrung mitbringt.
Die Baustelle ist keine gewöhnliche. Für den im Namen seiner Partnerin handelnden Auftraggeber Beat Schwengeler sogar etwas ganz Besonderes. «Für mich ist der Platz dort einer der schönsten im ganzen nördlichen Alpenraum: herrlich ruhig gelegen, Richtung Süden ausgerichtet und ein Klima, das mit dem im Tessin vergleichbar ist. Und das Ganze ohne lange Autofahrten und Staus», kommt der in Zürich schaffende Architekt ins Schwärmen. Vom Verkehrslärm der A3 auf der gegenüberliegenden Uferseite ist praktisch nichts zu hören. Zudem ist die Siedlung am Hang mit insgesamt neun Ferienhäusern, die dort zwischen 1958 und 1963 errichtet wurden, und einem Bauernhof mit Nebengebäuden nur über eine längere Wanderung zu Fuss oder mit Boot oder Schiff zu erreichen.
«Für mich ist der Platz dort einer der schönsten im ganzen nördlichen Alpenraum: herrlich ruhig gelegen, Richtung Süden ausgerichtet und ein Klima, das mit dem im Tessin vergleichbar ist.»
Beat Schwengeler
Eine solche Oase bringt aber spätestens dann Probleme mit sich, wenn es ums Bauen geht. «2024 hat meine Partnerin zusätzlich zu ihrem Elternhaus ganz oben im Hang noch ein zweites Haus weiter unterhalb erworben, das auch im Alter noch gut bewohnbar ist. Dieses Gebäude war aber leider nicht nur in vielen Bereichen fehlerhaft geplant, sondern auch in einem recht desolaten Zustand. Unter anderem mit einem Riss quer durch das Mauerwerk und einem Fundament, das sich bereits an einigen Stellen gesenkt hatte», erinnert sich Beat Schwengeler. Alles andere als ein Rückbau samt Neubau machte daher keinen Sinn.
Auf der Suche nach einer Baufirma, die sich dieser, aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen nicht ganz einfachen Aufgabe stellen würde, fand man schliesslich mit MARTY den passenden Partner. «Das war von Anfang an ein spezielles Projekt. Eines, bei dem man nicht einfach auf einen Knopf drücken kann und die fertige Kalkulation und Planung kommt aus dem Computer. Da muss man schon vorab genau prüfen, wie die Gegebenheiten vor Ort sind und wie man das auch alles möglichst kostensparend organisiert. Viele Baufirmen tun sich diesen Mehraufwand nicht mehr an», weiss Projektleiter Werner Marty sen. Anfang Mai 2026 begann schliesslich der Rückbau.
«Das war von Anfang an ein spezielles Projekt. Eines, bei dem man nicht einfach auf einen Knopf drücken kann und die fertige Kalkulation und Planung kommt aus dem Computer.»
Werner Marty sen.
Mit dem Lastschiff «Gonzen» der Schiffsbetrieb Walensee AG und einem für die strassenlose, steinige und steile Uferseite notwendigen Schreitbagger sowie einem zweiköpfigen MARTY-Bautrupp an Bord ging es zur Baustelle. Wo sonst Lkw das vorsortierte Abbruchmaterial einfach und schnell abtransportieren können, kam auf dieser Baustelle am Walensee der Helikopter zum Einsatz. «Mit insgesamt 205 Rotationen – also mit 205 Kurzflügen von der Baustelle zum nahegelegenen Ledischiff – wurden insgesamt rund 220 Tonnen auf dem Lastkahn verladen und auf die andere Uferseite gebracht, um von dort dann mit Lkw zur Wiederverwertung, zum Recyclen oder auf Deponien transportiert zu werden», erinnert sich Werner Marty sen. Materialflüge über den Walensee sind nämlich verboten, weil dabei eventuell die Gefahr bestünde, dass nicht umweltverträglicher Bauschutt ins Wasser fallen könnte.
Der komplette Rückbau inklusive aller Vor- und Nacharbeiten auf der Baustelle sowie dem An- und Abtransport aller Gerätschaften dauerte letztlich nur rund 10 Tage. «Gerade wenn man bei Aufträgen wie diesen auf externe Spezialfirmen angewiesen ist, bei denen einfach jede Minute Flug- oder sonstige Betriebszeit richtig Geld kostet, braucht es perfekt aufeinander abgestimmte Arbeitsabläufe und eine exakte Planung, sonst explodieren die Kosten», kennt der erfahrene MARTY-Seniorchef die Tücken eines solchen Auftrages.
Ähnlich gut vorbereitet gilt es auch ab Herbst 2026 vorzugehen, wenn es um den Aushub und den Neubau des Wohngebäudes geht. Aufgrund des besonderen Untergrundes mit einer lediglich zwei Zentimeter dicken Grasnarbe keine leichte Aufgabe. «Das wird mit Sicherheit die noch grössere Herausforderung», weiss Architekt Beat Schwengeler. «Da geht es dann um fast ausschliesslich steiniges Aushubmaterial von geschätzt fast 1000 Kubikmetern und etwa 1200 Tonnen, von denen wir möglicherweise nur einen Teil vor Ort wiederverwenden können. Der Rest muss wieder mit Helikopter, Ledischiff und dann noch mit dem Lkw weggebracht werden.»
Dennoch ist bei Beat Schwengeler eine gewisse Vorfreude auf das zukünftige Haus deutlich spürbar: «Das wird eine Art Wolf im Schafspelz. Von aussen betrachtet wird es die Optik des ehemaligen Stein- und Holzhauses mit dem behördlich vorgeschriebenen Pultdach haben, das zudem sämtlichen Auflagen betreffend Isolierung, Energienachweis, Statik und Lawinenschutz entspricht. Aber als ebenerdiger, treppenloser Bungalow angelegt, der mit modernster Technik und einer PV-Anlage ausgestattet ist, die wie Granitstein aussieht.»
Der für Herbst angesetzte Beginn des Aushubes und des Neubaues bringt den Vorteil mit sich, dass dann die vorwiegend über den Sommer und die warme Jahreszeit genutzten Nachbarhäuser nicht durch die Arbeiten oder den Flugbetrieb gestört werden. Zudem sollten auch die für den Innenausbau benötigten Handwerksbetriebe über die Wintermonate wieder über mehr Kapazitäten verfügen.
Auch von MARTY-Seite ist man bereits für den aufwendigen Aushub und den darauffolgenden Hochbau ab Herbst gerüstet. Mit bewährter Vorgehensweise. «Neben einer perfekten Planung vorab wird es darauf ankommen, dass ein erfahrener Polier vor Ort ist, der gut kommuniziert: mit dem Schiff, mit dem Helikopter, und der auch die mit diesen externen Unternehmen abzustimmenden Abläufe beim Betonieren im Griff hat», weiss Werner Marty sen. Das dafür bestens geschulte Personal steht in Azmoos bereits in den Startlöchern.
Rückbau Quinten-Au am Walensee
Auftraggeber: Beat Schwengeler
Projektleiter MARTY: Werner Marty sen.
Umfang: kompletter Rückbau eines Hauses in Quinten-Au
Arbeitseinsatz: 10 Tage (im Zeitraum zwischen 4.5. und 21.5.2026)
Eingesetztes Inventar:
- Schreitbagger Kaiser S12 (12 t)
- «Big Bag»-Säcke & Spanngurte (für Materialabtransport mit Helikopter)
Materialabtransport (über Helikopter, Schiff und Lkw):
- 3,5 t Dachziegel
- 78,46 t Mischabbruch (u.a. Plattenbeläge, Kunststoffteile, Mörtel)
- 128,62 t Bruchstein (u.a. Beton, Mauerwerk)
- 9,36 t Holz und Fenster
- 0,8 t Alteisen
Beteiligte externe Unternehmen:
- Heli-Linth AG, Mollis (Materialflüge mit Helikopter)
- Schiffsbetrieb Walensee AG, Quarten (Lastschiff «Gonzen» mit 180 t Tragkraft)
Weitere Einblicke
Mit Kurt in Chur
Nein, dieser Bericht handelt nicht von einem Städtetrip nach Graubünden, sondern von einer fast 1’000 Meter langen Bohrung quer durch ein Bergmassiv. Hauptdarsteller war dabei «Kurt»: die mit 300 Tonnen Zugkraft grösste Spülbohranlage in der Schweiz, mit der MARTY dieses Projekt in Angriff nahm. Benannt nach einem Mitarbeiter, der sich im Unternehmen in Sachen Spülbohrvortrieb besonders grosse Verdienste erwarb.
Aus dem Leben eines MARTY-Urgesteins
Im Jahr 1982 begann Christian Eggenberger bei MARTY als Saisonarbeiter. Mit ihm und Seniorchef Werner Marty zählte das Unternehmen damals gerade einmal fünf Mitarbeiter. Heute, mehr als vier Jahrzehnte später, ist «der Chrigel» selbst im FAR-Ruhestand noch immer ab und zu während der Sommermonate auf Baustellen tätig. Wir haben ihn an einem dieser Arbeitstage begleiten dürfen.